Geschichte ist doch längst vorbei, oder? Ich lebe jetzt, und für mein späteres Leben brauche ich Geschichte auch nicht – außer ich werde Geschichtslehrer*in!

Moment, so einfach ist das nicht. Johann Wolfgang von Goethe ist immer gut für ein Zitat, also dann:

 

Wer nicht von dreitausend Jahren

Sich weiß Rechenschaft zu geben,

Bleib im Dunkeln unerfahren,

Mag von Tag zu Tage leben.

 

Was will uns der Dichter damit sagen? Vielleicht das: Geschichte vermag uns Orientierung zu geben, in unserer eigenen Gegenwart und mit Blick auf unsere eigene Zukunft. Damit kann Geschichte auch Mahnung und Warnung sein:

 

Wer sich der Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

 

Dies schreibt der Philosoph George Santayana (1863-1952), ähnlich im 18. Jh. bereits der Schriftsteller, Philosoph und Politiker Edmund Burke (1729-1797).

 

In solchem Sinne: Macht, Krieg, Rassismus, Manipulation, Genozid, Versklavung, Vernichtung, Verfolgung, autoritäres Denken, Propaganda, Nationalismus, Vertreibung, Unterdrückung von Minderheiten – kurz: eine lange Kette von Fehlentwicklungen. Das ist die eine Seite. Geschichte ist aber auch der Kampf mutiger Menschen um höhere Werte wie Menschenrechte, Menschenwürde, Demokratie. Und hier sind wir noch lange nicht am Ende, im Gegenteil.

 

Wir, die Geschichtslehrerinnen und -lehrer am Otto-Hahn-Gymnasium, sehen uns diesen höheren Werten verpflichtet, auch im Einklang mit unserem Schulleitbild. Klar formuliert haben wir dies in einer Erklärung der Fachschaft angesichts immer deutlicher auftretender und immer mehr gesellschaftsfähig werdender Tendenzen weltweit zu Autoritarismus, Rassismus u.a. Obwohl diese Erklärung aus dem Jahr 2017 stammt, ist sie in so gut wie allen Punkten aktueller als damals.

 

Geschichte leben und erinnern: Das zeigt sich an der regelmäßigen Gestaltung des Volkstrauertages durch unsere Schüler*innen wie auch den etablierten Exkursionen in das KZ Natzweiler-Struthof.

Bei alledem soll aber auch das Bunte, ja oft Exotische, soll manche Kuriosität vergangener Zeiten nicht zu kurz kommen. Den „Atem der Geschichte“ können unsere Schüler*innen schließlich auch in unserem Schularchiv mit allen Sinnen erfahren. Manchen Schatz haben wir noch gemeinsam zu heben.

 

In Übereinstimmung mit dem Saarländischen Schulgesetz besteht das Ziel unseres pädagogischen Handelns letztlich darin, unsere Schüler*innen auf ihrem Weg zu einer historisch-politischen Mündigkeit zu unterstützen. Das bedeutet konkret, sie zu eigenständigen historisch begründbaren und begründeten Urteilen zu befähigen.

Denn: Geschichte ist eben doch nicht vorbei; sie fordert uns auf, uns die Gestaltungskraft für unser Leben nicht nehmen zu lassen und Verantwortung in Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.