Der Biologie-LK 12 zu Gast
im Anatomischen Institut und der Physiolgie des Universitätsklinikum des
Saarlandes in Homburg
(Anatomie aus griechisch ανά, aná „auf“ und τομή, tomé „Schnitt“)
(Physiologie von griech. φύση, phýsis „die Natur“ und λόγος, lógos „die Lehre, Vernunft“)
Die Anatomie des Menschen – viele der Schüler kennen sie
brandaktuell aus dem Biologieunterricht, anderen, deren Schulzeit schon etwas
zurück liegt oder sich dafür nicht sonderlich interessiert haben, schwebt noch
ein diffuses Bild vor den Augen.
Doch der komplizierte Aufbau des homo sapiens sapiens
sollte eine Sache sein, die ihn selbst fasziniert und die vor allem nicht
hinter Lehrbüchern verborgen bleiben sollte. Die Türen der Anatomie sollten für
jeden Menschen offen sein, dies ist das Motto von Herrn Dr. Kurt W. Becker,
Prosektor des Anatomischen Instituts der Uniklinik in Homburg.
Leider war dies nicht immer der Fall. Zu früheren Zeiten
war die Sektion der Menschen eine nicht jedem zugängliche Wissenschaft, deren
Renommee darin bestand, als verborgenes Geheimnis in einem dunklen Keller
getätigt worden zu sein. Dr. Becker ist ein Arzt, der die mittlerweile aus
ihrem Versteck gezogen wordene Wissenschaft auch Nicht-Medizinern offen
darlegt. Er bietet jedes Jahr für Pyhsiotherapeuten, Krankenpflegern,
Rettungsassistenten, Schülern (mit Einschränkung) und anderen Interessierten
Demonstrationen an, in denen er genau das verwirklicht.
So machten wir, die Schüler vom Biologie Leistungskurs
(Abi-Jahrgang 2008), uns auf den Weg, um dieser Wissenschaft näher zu kommen
und das Angebot von Herrn Becker wahrzunehmen. Im Gebäude des Instituts
angekommen, ging es nicht gleich mit der Sektion von Leichen los, wie
vielleicht einige vermuten möchten, sonder Herr Becker erzählte uns einiges
über die Geschichte der Anatomie und des Instituts, die doch große Bereitschaft
der Menschen sich der Medizin posthum zur Verfügung zu stellen, die Fixierung
und Konservierung der Leichen, der Alltag der Studenten während des
Präparierkurses und nicht zuletzt die Mentalität.
Nach einem langen und intensiven Gespräch ging es dann
weiter zu den Fixierungs- und Konservierungsräumlichkeiten, in denen die
Vorgänge zum „Haltbarmachen“ der Leichen vonstatten gehen. Nach einem Überblick
darüber fingen wir schon alle an, über das ganze Thema anders nachzudenken –
natürlich blieb ein mulmiges Gefühl dabei nicht aus.
Nun durften wir uns die Präpariersäle anschauen, in denen
die Ausbildung der Studenten und auch Ärzte vonstatten geht. Wir kamen in einen
Raum mit drei Tischen, auf denen schon die von uns vermuteten, mit Tüchern
verdeckten Präparate lagen. Das mulmige Gefühl wurde immer intensiver. Nachdem
Dr. Becker ein Präparat teilweise aufgedeckt hatte, war für einige Minuten wohl
das Maximum dieses Gefühls erreicht, dass sich aber anschließend schnell wieder
legte. Es musste auch keiner die Räumlichkeiten wegen Unwohlsein verlassen. Wir
wurden behutsam an die einzelnen Präparate herangeführt, die alle auf
unterschiedliche Weise präpariert worden waren.
Natürlich konnten wir durch diese Demonstration nicht die
gesamte Struktur des corpus hominis erlernen, was auch nicht Sinn und Zweck
dieser war. Wir hatten aber die Möglichkeit eine neue und vorallem prägende
Erfahrung mit auf den Weg durch unser Leben zu nehmen.
Nachdem die Demonstration zu Ende war und wir uns erfreut
und noch etwas nachdenklich mit einer schönen Flasche Wein bei Herrn Dr. Becker
bedankt und verabschiedet hatten (ein Gruppenfoto durfte natürlich nicht
fehlen), ging es auch schon weiter über den Campus zum Gebäude der Physiologie
und in den dortigen Hörsaal zu Prof. Dr. Richter. Auch von ihm wurden wir
herzlichst empfangen und er freute sich über unser Interesse an seiner kleinen
Demonstration, nämlich der Führung durch das Physiologie-Praktikum.
Herr Richter erzählte uns auch zu Beginn etwas über seine
Arbeit und die Wissenschaft Physiologie an sich. Nach diesem kleinen Einstand
ging es weiter zur Führung selbst. Prof. Richter führte uns dabei durch die
Räumlichkeiten, in denen die Studenten ihre Praktika zum Thema Herz, Niere,
etc. mit den Dozenten erarbeiten. Wir konnten einen Blick auf viele Geräte, wie
zum Beispiel EKG, EEG, etc. werfen, welche die Studenten dazu benutzen, sich
die „Lehre der Funktionsweise“ anzueignen.
Auch hier verstrich die Zeit leider sehr schnell, sodass
wir nach circa 3 ½ Stunden beide Demonstrationen genossen hatten, die auf
unserer Rückfahrt mit dem Zug nach Saarbrücken Topthema der Diskussionen waren.
Für Herrn Richter durfte natürlich auch nicht die Flasche Wein als Dankeschön
fehlen.
So machten wir uns also, mit diesen schönen und prägenden
Erinnerungen im Gepäck, auf die Heimreise.
An dieser Stelle geht ein besonderer Dank an Herrn Dr.
Becker und Herrn Prof. Dr. Richter, die sich die Zeit für uns genommen haben.
Ich denke, wir sind alle der Meinung, dass dies ein Exkurs im Sinne von „Non
scholae, sed vitae discimus“ (Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen
wir) war.
Matthias
Heit (12/2)
Von links
nach rechts:
Silke,
Alexander, Marie, Manuel, Dr. Becker, Alexander, Matthias H.,
Ilker, Frank, Matthias R., Janosch, Katharina
und Tanja
Janis ist
leider nicht auf dem Bild, dafür hinter der Kamera ;-)